Wienfahrt unserer Gemeinde

vom 27.05. – 03.06.2019

 

Am Abend des 27.05. startete eine fröhliche, aber etwas aufgeregte Gruppe aus unserer Gemeinde, die unter der Leitung von Pfr‘ Antje Brand und Pfr. H. Schimanski Wien erobern wollte. Vor uns lag jedoch zunächst eine gut 12 Stunden währende Bahnfahrt. Die speziellen Bequemlichkeiten unseres mit ´Night-jet`etwas anspruchvoll titulierten Fernzuges waren aber schnell vergessen, als wir nach der Ankunft in Wien die sauberen und liebevoll ausgestatteten Zimmer des Don-Bosco-Heimes beziehen konnten. Da uns nur eine knappe Woche zur Verfügung stand, diese Riesenmetropole kennenzulernen, hatten unsere Reiseleiter ein wohlabgestimmtes Schwerpunktprogramm zusammengestellt.

Wenn man einen Gesamteindruck von dieser Stadt geben soll, ist eine subjektive Einfärbung nicht zu vermeiden. Auf mich hat diese faszinierende Stadt einen durchaus zwiespältigen Eindruck gemacht. Zunächst waren da die für einen „Provinzler“ ungeheuerlichen räumlichen Dimensionen,die aber durch ein fantastisch funktionierendes Verkehrssystem beherrschbar blieben. Es war schon mehr als beeindruckend, dass auf unterschiedlichen Ebenen der Stadt  U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse von morgens bis tief in die Nacht verlässlich im Minutentakt verkehrten. Da konnte man schon neidisch werden. Da wir uns aus zeitlichen Gründen auf die Kernbereiche der Wiener Innenstadt konzentrieren mussten, begegneten wir bei öffentlichen, kirchlichen und privaten Bauten einer atemberaubenden Prachtentfaltung  der einzelnen historischen Epochen. Die Führung der Straßenzüge und der hier errichteten Bauten ließen wie die Prunkschlösser und ihre Parkanlagen  das ungeheuere Repräsentationsbedürfnis der k.u.k Monarchie, der Kirche und der Gesellschaft deutlich werden. Das Streben nach Zurschaustellung von Macht und Glanz begegnete uns vor allem bei einem Rundgang durch Schloss Schönbrunn  und seinem wundervollen Park. Die Hofburg und Schloss Belvedere ergänzten dieses Bild in seiner Pracht. Hier sind architektonische Meisterwerke entstanden, die in ihrer Schönheit, Größe und Wucht einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Wer sich allerdings zu einem Gang durch die Massenquartiere der Innenstadt entschloss, dem wurden freilich auch die Probleme bewusst, die die hier ablesbaren gesellschaftlichen Schichtungen zweifellos mit sich gebracht haben.

 

Wie sah nun unser Tagesablauf aus? Der Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück, dem sich dann jeweils eine kurze Andacht mit fröhlichem Gesang und einer kurzen Schriftbetrachtung anschloss. Der überwiegende Teil des Tages war dann einem im Einvernehmen mit der Gruppe geplanten Besichtigungsschwerpunkt gewidmet. Nach den Anstrengungen des Tages fand an unterschiedlichen Orten ein gemeinsames Abendessen statt, zu dem wir die reichhaltigen Angebote der Wiener Gastronomie nutzten. Hier war dann Gelegenheit, sich von den Anstrengungen des Tages zu erholen und sich miteinander auszutauschen. Die hier gepflegten Kontakte haben mit Sicherheit den wunderbaren Zusammenhalt der Gruppe begründet und gefestigt. Hier holten wir uns den Schwung, der uns „alle Morgen neu“ zu lohnenden Zielen aufbrechen ließ.

 

Wer sich dabei den Museen und ihren Bilderschätzen zuwandte,  der musste sich bisweilen in sehr lange Besucherschlangen einordnen. bevor die unmittelbare Begegnung mit den grandiosen Werken Pieter  Bruegels, Tizians, Raffaels, Tintorettos oder wichtiger moderner Maler zu einem Staunen führen konnte, das kein noch so sorgfältig gestalteter Bildband je erzeugen kann.

Wir erlebten  bei unseren Besuchen aber auch Gegensätze. Die beeindrucken-

den gotischen Kirchen:  der gewaltige  Stephansdom, Maria am Gestade, Minoritenkirche und der neugotische Sakralbau der Votivkirche, in der ein Teil von uns ein wundervolles Orgelkozert hörte, kontrastierten schon deutlich mit der Schlichtheit von Wiens ältester Kirche, der Ruprechtskirche, deren Anfänge bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden können.

Wer Wien besucht und literarisch, musikalisch oder politisch/geschichtlich Interessiert ist, lässt sich einen Besuch der Prominentengräber und einen Gang über den alten israelischen Friedhof nicht entgehen. Hier begegnete man bei der Gestaltung der Gräber vornehmer Schlichtheit, aber auch einer unglaublichen Geltungssucht und Protz. Beeindruckend fand ich unseren Gang über den israelitischen Bereich des Friedhofs. Die alten Steinzeugnisse, ihr bisweilen schon sehr fortgeschrittener Verfall und ihre Verwobenheit mit der Entfaltung einer üppigen Natur hinterließen einen nachhaltigen Eindruck.

Nach so vielfältigen kulturellen Eindrücken gönnten wir uns am letzten Nachmittag vor unserer Rückreise bei prächtigem Sonnenschein mit dem Besuch des Naschmarktes und des Praters einen fröhlichen Abschluss.

Ein herzliches Dankeschön unserer gesamten Gruppe gilt Pfr‘ Antje Brand und Pfr. H.Schimanski für die sorgfältige Planung unserer Reise und die aufmerksame Betreuung  während unseres Aufenthaltes in Wien!

 

Günter Remy

 

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